Post verärgert Kunden – Händler suchen Alternativen

03.04.2020

Verspätete Sendungen, eingestellte Dienstleistungen: Die Corona-Krise trifft die Post hart. Der Bund genehmigte nun eine Kontingentierung für Grosskunden.

Als der Bundesrat die verschärften Massnahmen wegen des Coronavirus präsentierte, war bei der Post noch alles in Ordnung. «Grundsätzlich ist die Post so aufgestellt, dass sie auf die verschiedenen Mengenschwankungen reagieren kann», sagte ein Sprecher am 16. März. Das beste Beispiel dafür, dass man dazu in der Lage sei, sei das Weihnachtsgeschäft. Drei Wochen sind seither vergangen, alles ist anders, und die Post ist während der Corona-Krise in eine eigene Krise geschlittert.

Die Post dominiert den Paketmarkt in der Schweiz. Über 80 Prozent des Paketversands bis 20 Kilogramm läuft über die Post. Die grossen Onlinehändler in der Schweiz sind bei ihr angebunden. Über die letzten Jahren hat die Post ihre Marktmacht in diesem Bereich, in dem freier Markt herrscht, zementiert. Jahr für Jahr wuchsen die verarbeiteten Paketmengen, private Konkurrenz hatte es daneben schwer. Doch was die Post in den letzten Jahren aufgebaut hat, fällt ihr und den stark abhängigen Händlern nun auf die Füsse. Die Post ist offenbar nicht mehr in der Lage, alles pünktlich zu liefern, warnt gar vor einem Kollaps.

Was verschiedene Medien am Freitag melden, ist ein weiteres Puzzleteil in der Misere der Post: Sie will für die grössten Versandhändler die Päckchenmenge kontingentieren. Die Händler können also nicht mehr alle Pakete mit der Post liefern lassen, sondern nur eine begrenzte Anzahl. Das Vorgehen der Post: Sie informierte ihre Kunden über die Kontingentierung am Donnerstag. Noch bevor der Bund beziehungsweise das zuständige Departement Uvek dies absegnete. Das ist allerdings nötig, weil die Post nicht eigenmächtig über eine Kontingentierung entscheiden kann.

Beim Bund hat man nun entschieden: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga erwartet von der Post, dass sie gemeinsam mit den Grosskunden, Akteuren der Branche und den Gewerkschaften rasch Lösungen erarbeitet, um die Paketverarbeitung und -zustellung zu bewältigen, heisst es aus dem Uvek. «Unter dieser Bedingung hat das Departement im Sinne einer Notlösung dem Antrag der Post für eine auf eine Woche befristete Kontingentierung von Paketen zugestimmt.»



Social Distancing als Problem


Verärgert reagieren die Versandhändler auf das Vorhaben der Post. «Die Massnahme der Kontingentierung ist in ihrer Tragweite und Kurzfristigkeit einschneidend, haben doch diverse Online- und stationäre Händler ihre Kapazitäten aufgestockt oder verlagert, um der steigenden Onlinenachfrage Herr zu werden», schreibt der Verband der Versandhändler. Diese Bemühungen würden infrage gestellt, und es würde voraussichtlich neu eingestelltes Personal wieder entlassen werden. Einer Forderung des Versandhandels kommt die Post entgegen. Kleinere Pakete werden vermehrt über die Infrastruktur der Briefpost abgewickelt.

Die Probleme der Post sind vielfältig: Die Paketmengen sind enorm gestiegen, seit der Bundesrat Läden geschlossen hat. Viele Firmen versuchen neu über den Onlinekanal ihre Waren zu verkaufen. Entsprechend kommen neben den grossen Onlinehändlern plötzlich ganz viele kleine dazu, welche ebenfalls die Postinfrastruktur nutzen.

Gleichzeitig fällt bei der Post viel Personal weg. Laut der Post sind rund 4400 Mitarbeitende derzeit nicht am Arbeiten, weil sie entweder krank sind oder in den Ferien, Kinderbetreuung leisten oder einer Risikogruppe angehören. Wie viele davon in der Paketverarbeitung ausfallen, kann die Post allerdings nicht beziffern.

Das grosse Problem ist laut der Post ein anderes. Während der Weihnachtszeit können pro Paketzentrum bis gegen 100 zusätzliche Arbeitskräfte eingesetzt werden. «Das können wir zurzeit trotz der ähnlichen Volumen nicht, da die Social-Distancing-Vorgaben zum Schutz unserer Mitarbeitenden gar nicht mehr Personal in den Paketzentren zulassen», sagt ein Postsprecher.



Handel weicht aus


Die Händler reagieren auf die Einschränkungen bei der Post. Bereits vergangene Woche hat die Post kommuniziert, dass gewisse Sperrgutsendungen nicht mehr transportiert werden. Daraufhin suchte der Versandhandel nach Alternativen. Diese fand er zum Beispiel bei der Firma Pickwings.ch, die nun Teile dieser Sendungen über ihr Netzwerk von Transportfirmen liefern soll.

Im normalen Paketversand sind Händler ebenfalls auf der Suche nach anderen Lieferkanälen. Coop, Digitec, und Brack.ch melden beispielsweise, dass man sich nach Alternativen zur Post umschaut.

Fündig werden die Firmen etwa bei Planzer-Paket, welche relativ neu im Versandhandelsgeschäft ist. Beim Unternehmen mit Niederlassungen in der ganzen Schweiz hätten diverse neue Kunden angeklopft während der letzten Zeit. Darunter nicht nur KMU, welche wegen Corona einen neuen Absatzmarkt suchen, sondern auch etablierte Onlinehändler, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. Quickpac, ein inländischer Konkurrent der Post, hat ebenfalls Anfragen von neuen Kunden erhalten, die auf der Suche nach Alternativen sind. Auch das Liefernetzwerk Annanow profitiert. Bereits haben Unternehmen wie Migros, Manor oder Jumbo die Zusammenarbeit mit der Firma intensiviert, damit sie ihre Pakete zu den Endkunden bringen können.



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